Bewaffnete SL-Gesellschaft?
November 2007 | Meinung von Kay A. Schönewerk | Neue Artikel per Mail erhaltenSL-Entwickler Torrid Luna hat sich ?en angeblichen “Amoklauf” in Second Life Gedanken gemacht und sie f?e Ver?ntlichung freigegeben.
“Es gibt immer wieder Meldungen, bei denen der alteingesessene “Resident” merkt, dass in der Kommunikationskette übertrieben oder aus Unkenntnis verfälscht wurde. Zum Beispiel war zu lesen, “virtuelle Terrorristen” hätten eine Insel der australischen Nachrichtenagentur ABC in die Luft gesprengt, Gebäude zerstört, einen Krater hinterlassen. Das hatte so nicht stattgefunden.”
Nat? kann in Second Life niemand sterben, verletzt oder ?llen werden. Trotzdem gibt es Schusswaffen, Bomben, und Attachments, die virtuelles Blut spritzen lassen, und mit dem Einsatz solcher Gegenstände am falschen Ort kann man unerfahrene User durchaus einsch?n oder psychisch verletzen. Während das Tragen von Waffen in bestimmten Roleplayer-Sims durchaus zum guten Ton geh? ist es in Einkaufszentren und Clubs nicht gern gesehen, oft sogar verboten.
Die Selbstregulierung der Residents, an welchen Plätzen öffentliche Nacktheit, Sex, oder Gewaltszenen erlaubt, und wo verboten sind, funktioniert im Allgemeinen sehr gut. Andererseits gibt es User, die absichtlich gegen genau diese Regeln verstossen, man nennt sie im SL-Jargon “Griefer” von engl. “grief”, Kummer. Diese Wortschöpfng soll genau zum Ausdruck bringen, dass zwar keine körperliche Verletzung, sehr wohl aber eine Beeinträchtigung des “Spielspasses” von diesen Leuten bzw. ihren Aktionen ausgeht.
SL geh?zu den virtuellen Welten, die ein gewisses “Eintauchen” in die virtuelle Realität mit sich bringen, den sogenannten Immersion-Effekt. Und wenn man als Resident erst einmal eingetaucht ist in diese virtuelle Umgebung, dann kann es einen schon sehr verletzen, wenn man beim Shoppen plötzlich von ein paar Kugeln quer durch den Raum getrieben wird, immerhin steckt ja ein Akt der Aggression dahinter, und der Spielfluss ist auch ganz empfindlich gestört ;-) Mir ist das selber mal als jungem Avatar passiert, und auch wenn ich heute darüber lachen kann, damals habe ich empört “Abuse Reports” an den Betreiber LindenLab geschickt, mit dem Erfolg, dass der fragliche Avatar nach einigen Tagen aus Second Life ausgeschlossen wurde.
Soweit zum Stand der allgemeinen Durchwaffnung der SL-Gesellschaft… Ich vermute mal, dass im Corecon Center keine Objekte gerezzt werden koennen, also weder Kugeln noch Blutspritzer. Dennoch: Ja, in SL kann man wirklich Avatare umbringen. Der Effekt ist aber im Regelfall, dass das betreffende Opfer in sein Heimatsim teleportiert wird. Und man hat ja unendlich viele Leben. Das mit den Waffen kann auch stimmen: Waffen sind ein ganz großer Markt in SL, fast so schlimm wie Sex und Immobilien, nur nicht so gefährlich. Ein taugliches Schießeisen kostet gut und gerne 2000 Linden, das sind immerhin 5 Euro.
Woran ich erkenne, dass die Geschichte gefakt ist? Ich wüsste als Opfer zum Bespiel nicht, wo ich so schnell eine “Duck dich hinter den Schreibtisch”-Animation herbekommen sollte, selbst wenn ich den Spass mitmachen würde. Im Corecon ist mit Sicherheit nicht das “Lebenslicht” angeschaltet, die Lebensenergie-Uhr am oberen Bildschirmrand. Also kann man dort tatsächlich nicht sterben.
Und wenn ich so darüber nachdenke… ich bin mir nicht sicher, ob ich nicht bei bestimmten Konferenzen f?en Einsatz von Schusswaffen plädieren würde. Das ist er doch genau: Der Web2.0-Effekt, der unmittelbare, handlungslenkende Response der vormals passiven Consumer!
Fazit: Interessante Geschichte. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich virale Amoklauefer als bekanntheitssteigerndes Mittel vom moralischen Aspekt her gutheissen kann. Und Griefer sind ein echtes Problem in SL!
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