Daimler schwenkt das Regenbogen-Fähnchen
März 2010 | Meinung von Claudia Loewe | Neue Artikel per Mail erhalten
Man kennt den Pausenraum im Büro als Hauptumschlagplatz für private Angelegenheiten des Kollegenkreises. Die aktuelle Wetterlage, die Planung des nächsten Einkaufsbummels – worüber lässt sich nicht alles bei einer Tasse Kaffee in den Pausen plauschen. Aber wie’s beim Small Talk eben ist: heikle Themen bleiben lieber außen vor. So ist es wenig verwunderlich, dass sich viele Homosexuelle am Arbeitsplatz über ihr Privatleben bedeckt halten. Um diesem Versteckspiel ein Ende zu bereiten, rief die Daimler AG im vergangenen Sommer das Netzwerk GL@D ins Leben. Diese Plattform bietet Austauschmöglichkeiten für homosexuelle Mitarbeitern und solche, denen das Thema am Herzen liegt.
Daimler wagt sich mit seinem Netzwerk jedoch nicht in unbekannte Gewässer vor. Der IT-Riese IBM bietet seit 2003 mit dem Netzwerk Eagle eine Plattform für schwule und lesbische Mitarbeiter - inklusive regelmäßiger Stammtischtreffen und deutschland- sowie europaweiter Workshops. Auch die Softwareschmiede SAP hat ein Herz für Gruppen jeglicher Couleur und fördert sowohl den innerbetrieblichen Umgang sexuell Andersorientierten als auch firmeninterne Netzwerke für berufstätige Eltern, gehandicapte Mitarbeiter und ältere Kollegen. Neben anderen namhaften Unternehmen ist auch die Telekom in Sachen Toleranz vorn dabei: das Netzwerk queerbeet, welches nicht nur homo-, bi- und transsexuellen Mitarbeitern offen steht, soll helfen, das Betriebsklima zu verbessern und Vorurteile abzubauen.
Ob solche Mitarbeiternetzwerke umgehend dazu führen, dass in naher Zukunft alle Bürogemeinschaften die Farben des Regenbogens im Herzen tragen, ist zu bezweifeln. Vorrangig wird man den Eindruck nicht los, dass sich die Firmen als besonders global, innovativ und tolerant profilieren wollen. Trotzdem sind die Mitarbeiternetzwerke schon mal ein wichtiger erster Schritt zu einem aufgeschlosseneren Miteinander.
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