Facebook is watching you!
Oktober 2010 | Meinung von Tina Ebermann | Neue Artikel per Mail erhalten
Endlich ist es soweit: Ich kann mich in irgendein Café setzen und mein Schulfreund aus der 3. Klasse weiß, in welcher Straße ich mir meinen Smoothie plus Muffin einverleibe. Oder ich reise nach Italien und kann meinen Kollegen auf Arbeit die grüne Farbe ins Gesicht treiben, wenn sie sehen, wo ich mir überall die Sonne auf den Bauch scheinen lasse und Espresso schlürfe. Wenn ich will, kann ich sogar meinen Kommilitonen genau sagen, wo ich meine Zeit verbringe, während ich die gähnend langweilige Pädagogikvorlesung schwänze.
Wozu also noch blickdichte Gardinen vor die Fenster hängen, Hecken zum Abschirmen vor den Nachbarn pflanzen oder fadenscheinige Ausreden für das Fehlen auf Arbeit erfinden? Schließlich kann sowieso jeder nachverfolgen, was, wo, warum und mit wem ich meine Zeit vergeude, pardon, verbringe. Und dazu muss ich mich nicht mal in einen Wohncontainer mit unzähligen Kameras einsperren lassen oder der Hauptdarsteller in der „Truman Show“ werden.
Lediglich mein internetfähiges Handy und die neueste App vom „Gefällt mir“-Netzwerk Facebook reichen aus, um das letzte bisschen Privatsphäre wegzupacken und wie die unliebsame Vase von der Schwiegermutter im Keller verschwinden zu lassen. Die wollte man ja eh nie! Denn zu faszinierend unbedeutenden Statusanzeigen auf Facebook wie „Bin bei Mutti Mittag essen“, „Gehe auf eine Tupperware Party“ oder „Warte auf den Bus“ kann ich, hoch soll es leben, jetzt auch noch meinen Aufenthaltsort „einchecken“. Wenn mir also mal jemand spontan bei meinem abendlichen Lauf durch den Park Gesellschaft leisten will, kann er das einfach tun – denn Facebook is watching me!
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Es ist wie so oft eine Frage der eigenen Einstellung.
Wer gerne öffentlich sein möchte kann das in zunehmenden Maße tun.
Facebook hat anscheinend justamente dazu auch noch einmal mehr etwas beigetragen.
Keiner muss sich im Internet öffentlich machen.
(Teilweise muss er dazu natürlich die Gefahren kennen, damit er nicht ohne es zu wollen, “öffentlich” wird. Aufklärung und Selbstaufklärung tun Not.)