Methadon 2.0
Mai 2009 | Meinung von Anja Rettmann | Neue Artikel per Mail erhalten“von seiten der verwandtschaft lautet das urteil über twitter, gebündelt, etwa so: ‘inhaltlich banal, formal unbedeutend.’ nojo” - so lautet eines ihrer letzten Updates. Ist ihr aber egal, sie twittert trotzdem. Will sie auf sich aufmerksam machen? Mal wieder was neues ausprobieren? Auf der Hype-Welle Twitter mitschwimmen? Nein, die Erklärung ist eine ganz andere. Es ist eine Art Drogensucht, von der sie sich eisern losreißen und befreien will.
Else Buschheuer, ihres Zeichens Moderatorin und Buchautorin, bloggt. Und das sehr fleißig, schon fast zehn Jahre. Nun will sie weg von dem Stoff, von der innewohnenden Sucht, alles jedem erzählen zu wollen. Um die Schmerzen und Entzugserscheinungen schlichtweg überhaupt auszuhalten, greift sie nach der Zauberpille - und twittert. Im SPIEGEL-Gespräch wird sie deutlich: “Für mich verhält sich das Twittern zum Bloggen wie Methadon zum Heroin - ich muss von der Droge loskommen.” Die Gründe fürs Bloggerende einmal dahingestehllt (die Autorin muss scheinbar endlich mal wieder ans Geld verdienen denken), ist das wohl die einleuchtendste Erklärung für die Nutzung des Microblogging-Dienstes, die ich je gehört hab.

Was soll man auch mit einem übermenschlich in Erscheinung tretenden Mitteilungsbedürfnis anfangen? Noch dazu wenn man merkt, dass die Resultate synaptischer Übertragungsprozesse auch gut in 140 Zeichen passen? Natürlich: Twittern. Nichtsdestotrotz ist es ein langer Weg, der weg von den Drogen, hin zu einem gesunden Dasein führt. Angesichts solchem Buschheuer-Getwitter wie “unverpaarte menschenweibchen twittern nur bis 1 uhr morgens. dann kolumnieren oder essayieren sie. nur bloggen dürfen sie nie, nie mehr.” scheint es doch ein sehr langer, noch dazu steiniger Weg, nicht wahr? Nur Mut, Frau Buschheuer, sie schaffen das schon. Vielleicht haben Sie ja auch ein paar Freunde, mit denen Sie ansonsten auch einmal reden können. Wenns allzu schlimm wird.
(Bildquelle: Blog Else Buschheuer, Twitter)
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Ach diese “Ersatz-Drogen” bringen doch auch nichts - außer eine neue Sucht. Da bleibt doch die Frage: Macht Twitter nicht mindestens genauso süchtig?? oder mehr???
Meiner Meinung nach sollte man einfach von 100 auf 0 schalten, alles ausschalten und zurück ins reele Leben….eben wie damals, als das WWW noch Zukunftsmusik war….welch’ ruhige Zeiten…ohne diesen lästigen Zwang der Kommunikation über Communitys, Twitter, Blogs & Co.
Schade, dass man sich diesem Sog nicht so einfach entziehen kann oder man dies zumindest denkt. (ich komme ja auch von den Communitys nicht los…..mit Twitter hab ich Gott sei Dank nie angefangen)
Na so ganz hat Frau Buschheuer das System von Twitter noch nicht verstanden oder? Wenn ich mir ihre Einträge so ansehe (die sind zum Teil wirklich lustig), vermute ich mal, dass es ihr schwerfällt, ihre Gedanken auf die 140 Zeichen herunterzubrechen. Sind ganz oft mehrere Nachrichten, die inhaltlich zusammengehören. Vielleicht doch lieber wieder bloggen? Da kann man nämlich so viel schreiben, wie man will.